Ausstellungstipp: Freiheit!

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Freiheit

Ausgangspunkt
Seit seiner Eröffnung im Juni 2010 hat sich das Kunstpalais in Erlangen als ein Ort des transdisziplinären Diskurses über die Themen der zeitgenössischen Kunst etabliert. Jährlich werden die großen Themenausstellungen wie „Glück happens“ (2010), „iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst“ (2011) und zuletzt „Töten“ (2012) von einem umfassenden Vortragsprogramm begleitet, das vor allem in Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konzipiert und realisiert wird.

Kuratorischer Ansatz

Zum 200. Jahrestag der entscheidenden Völkerschlacht der Freiheitskriege im Jahr 1813 wird sich das Kunstpalais in seiner Gruppenausstellung dem Thema „Freiheit“ widmen. Ausgehend von den Revolutionen im arabischen Raum, die in zahlreichen künstlerischen Werken thematisiert werden, spüren wir in unserer Konzeption dem Thema der politischen Freiheit nach, dem Kampf um Demokratie und Menschenrechte, dem Wunsch nach Aufbruch und dem Ringen um Selbstbestimmung.
Was bedeutet Freiheit heute? Ilija Trojanow, Julie Zeh und Martin Döpfner warnen davor, Freiheit für vermeintlich mehr Sicherheit aufzugeben. Döpfner schrieb in „Die Freiheitsfalle“, für die Europäer sei Freiheit nurmehr ein emotionales, subjektives Erlebnis, für andere bedeute sie den existentiellen Kampf um Grundrechte: „Die Europäer bestaunen und kommentieren, wie Amerikaner, Chinesen, Inder, Brasilianer oder Araber die Welt verändern. Die Verteidigung der Freiheit als universaler Wert hat in Europa kaum noch eine kraftvolle Stimme. Die alte Welt ist alt geworden.“ Stimmt das?
12 internationale Künstler beleuchten das brisante Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Zahlreiche Künstler werden neue Arbeiten konzipieren.

Künstlerauswahl

Die Ausstellung versammelt Künstler, deren Werk wesentlich vom politischen Freiheitsbegriff geprägt ist, deren künstlerische Arbeiten also grundsätzlich um Fragen der Demokratie und der Menschenrechte kreisen. Dabei liegt der besondere Fokus auf der außereuropäischen Perspektive.

Werkauswahl

, dessen Werke im Diskurs mit seinem in Südkorea lebenden Vater Dongwhan Jo entstehen, wird eine neue Arbeit zu den Freiheitskämpfen des nordafrikanischen Frühlings für die Ausstellung konzipieren. Er dokumentiert für unsere Ausstellung filmisch und in Zeichnungen Interviews mit Menschen seiner Heimat über die Aufstände im arabischen Raum – und setzt diese Freiheitsbewegung in Bezug zu den Freiheitsbestrebungen im eigenen Land.

wird ihre neue Arbeit „Speeches“ (2012) zeigen, in der sich Flüchtlinge aus Afrika an berühmte Reden großer Freiheitskämpfer erinnern. Sie tragen die Reden in ihrer jeweiligen Muttersprache vor. Die Künstlerin wählte für dieses Projekt ausschließlich Personen aus, deren Muttersprache über keine Schriftform verfügt, die also Gesellschaften entstammen, in denen Wissen ausschließlich über das Erinnern und Erzählen weitergegeben wird.

Lars Ø Ramberg, der zuletzt mit der herausragenden Textinstallation „Die Grenze“ im norwegischen Bergen auf sich aufmerksam machte, wird für die Erlanger Ausstellung einen Dokumentar-Film über den Israeli Mordechai Vanunu drehen. Vanunu hatte die atomare Bewaffnung Israels aufgedeckt und musste dafür 18 Jahre lang ins Gefängnis. 11 Jahre saß er davon in Isolationshaft. Bis heute steht Vanunu unter Beobachtung: Er darf Jerusalem nicht verlassen, darf weder Handys noch das Internet benutzen, keine Interviews geben. wird sich dennoch mit ihm treffen – und die Begegnung und die Gespräche filmisch festhalten.

Freiheit und Armut sind das Thema der indischen Künstlergruppe . Ihre auf der Documenta 13 gezeigte Videoinstallation „The Boat Modes“ werden wir in Erlangen zeigen. Aufnahmen von Häfen, dem Schiffsbau, dem Meer mit eindrucksvollen Sonnenauf- und untergängen, mit spektakulären Wal- und Delphinszenen, die von Seeleuten mit dem Handy gefilmt wurden, sind zu einem kollektiven Filmtagebuch zusammengeschnitten. Die Künstler beleuchten hier die „Modalitäten“ des Lebens auf See, verklärtes Sinnbild grenzenloser Freiheit, und erkunden die Frage, worin Freiheit vor der sogenannten freien Marktwirtschaft bestehen kann.

Der bulgarische Künstler entwickelt Installationen, in denen er mit den unterschiedlichsten Materialien arbeitet und die Ausstellungswände mit handgeschriebenen Anmerkungen und Zeichnungen überzieht. Auf der Documenta 13 konzipierte er für das Brüder Grimm-Museum eine große Installation zu Ritterspielen und Kindheitsträumen. Auch für das Kunstpalais in Erlangen wird vor Ort eine neue Arbeit konzipieren.

Alexander Apóstol wird sein Video „Yamaikaleter“ zeigen, das 2011 auf der Biennale in Venedig zu sehen war. Darin lässt der Künstler den Jamaika-Brief, der 1815 von dem südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar im jamaikanischen Exil auf Englisch verfasst und seither von unterschiedlichen politischen Gruppierungen immer wieder adaptiert wurde, in einem kargen, improvisierten Büro mit Gegenlicht verschiedene Kommunalpolitiker aus dem Armenviertel in Caracas vorlesen, obwohl sie der englischen Sprache offensichtlich nicht mächtig sind. Die stolze Haltung und der engagierte Vortrag der Akteure stehen in krassem Gegensatz zu ihrem unverständlichen Redefluss. Ironisch lässt der Künstler die Versprechen der Politiker ins Leere laufen.

Erstmals in einer Ausstellung wird sein Internetprojekt WeiWeiCam zeigen. Er installierte 2012 insgesamt 15 Webcams in seinem Haus und schaltete die Übertragung online. Auf diese Weise war er für die ganze Welt sichtbar. Eine Umkehrung des „Big-Brother-Prinzips“: Nach den Schikanen durch die chinesische Regierung sicherte diese Überwachung der Überwacher dem Künstler ein gewisses Maß an Freiheit. Nur 24 Stunden, nachdem die Website WeiWeiCam online ging, wurde von der chinesischen Regierung gezwungen, die Website zu schließen. In dieser Zeit wurden über 5,2 Millionen Views gezählt.

Von zeigt die dreiteilige Videoprojektion „Promised Land“. Der Künstler porträtiert darin junge Emigranten, die von Frankreich aus den Kanal nach Großbritannien überqueren möchten, in der Hoffnung, dort ein besseres Leben zu finden. Er schildert in seinem Film die Hoffnungen und Sehnsüchte der Flüchtlinge, ihren Umgang mit Armut und Elend sowie ihre gefährliche Flucht aus der vom Bürgerkrieg zerstörten Heimat.

Artur Zmijewskis 20-teilige Videoinstallation „Democracies“ zeigt einen weltweiten Überblick über unterschiedlich motivierte Demonstrationen, vom Kampf um Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäußerung bis hin zu öffentlichen Begräbnissen (Winnenden) und Trauerfeiern (Jörg Haider). Die Arbeit versammelt außerdem Demonstrationen, die eher Volksfesten ähneln, wie beispielsweise die Mai-Demonstrationen in Berlin-Kreuzberg.

Ebenso kritisch beleuchten die schwedischen Künstlerinnen Klara Lidén und Johana Billing den Freiheitsbegriff. In der Videoarbeit „Paralyzed“ von Klara Lidén wird die Freiheit als individuelles und emotionales, also eher ein subjektives Freiheitserlebnis interpretiert.

Bei („Project for a Revolution“) verkommt der Kampf um Aufbruch und Veränderung zur sinnentleerten Pose. Die Videoarbeit bezieht sich auf eine Szene aus Antonionis Film Zabriskie Point (1970), in dessen Zentrum ein Treffen politischer Aktivisten steht. Billings Adaption hingegen zeigt eine Gruppe junger Menschen, die darauf warten, dass etwas passiert. Die Künstlerin hinterfragt so die Möglichkeiten des Protests und der Revolte in unserer Gegenwartskultur.

Kunstpalais Stadt Erlangen
http://www.kunstpalais.de

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