Hamburg ist im Gerhard Richter Fieber

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Hamburg ist im Fieber. Gleich zwei Ausstellungen widmen sich Deutschlands gefragtesten Künstler.

Gerhard Richter ist einer der bedeutendsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Er studierte von 1961 bis 1964 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz. Während der Studienzeit und danach arbeitete er intensiv mit seinen Komilitonen Sigmar Polke, Konrad Fischer-Lueg und Blinky Palermo zusammen. Gemeinsam mit Polke und Fischer-Lueg veranstaltete er die „Demonstration für den Kapitalistischen Realismus“ in einem Düsseldorfer Möbelgeschäft, eine satirische Auseinandersetzung mit der westlichen Konsumgesellschaft.

Anfang der 60er Jahre begann Richter nach fotografischer Vorlage zu malen und parallel dazu entstanden 1966 die Farbtafeln, bei denen die Reihenfolge der Farben ausgelost wurde. In der Folge wechselten sich die verwendeten Praktiken ab: fotorealistische Naturdarstellungen, unscharfe Gemälde nach Fotografien, Vermalungen, graue Bilder, Wolkenbilder, Glas- und Spiegelobjekte, Druckgrafik, Installationen. In den 1980er und 1990er Jahren entwickelte er ein Verfahren für große expressiv farbige abstrakte Gemälde.

05.02.11 -15.05.11 Gerhard Richter – Bilder einer Epoche Bucerius Kunst Forum, Hamburg

Als Gerhard Richter, heute international hochgeschätzt wie kaum ein anderer Künstler, Anfang der sechziger Jahre in den Westen übersiedelt war, setzte er sich mit der für ihn neuen Welt auseinander: in der Werkgruppe der großformatig gemalten Photos. Heute ist in der Gesamt heit dieser Arbeiten das Bild einer Epoche zu entdecken. Das Bucerius Kunst Forum widmet dieser Phase Gerhard Richters seine erste Ausstellung in 2011 und eröffnet damit die Folge der internationalen Ausstellungen zu seinem 80. Geburtstag im Jahr darauf.

Das kontinuierlich im Lauf von 45 Jahren entstandene, große malerische Werk dieses Künstlers haben in den letzten Jahren Ausstellungen gewürdigt, die einzelne charakteristische Themen komplexe untersuchten, etwa die Landschaften (Hannover 1998), die Bilder nach Bildern (Humlebæk, Dänemark 2005), die Abstraktion (Köln 2008), die Übermalten Photographien (Leverkusen 2008) oder die Bildnisse (London 2009). Nun ist es an der Zeit, sich intensiver mit den gemalten Photos der sechziger und siebziger Jahre zu befassen, um sie vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Kontextes wesentlich neu zu ver stehen. Tatsächlich sehen wir heute in der Gesamtheit von Richters frühen Werken das Bild einer Epoche aus der Perspektive eines Zeitzeugen. So untersucht die Ausstellung die mit Hilfe der Photo graphie und ihrer malerischen Wiedergabe geschaffenen Bilder nach ihren historischen und ihren aktuellen Bezügen.

Bislang noch nicht veröffentlichte Bildmaterialien und Texte aus dem Gerhard Richter-Archiv in Dresden, das als Kooperationspartner an dem Projekt mitwirkt, ermöglichen einen neuen Blick auf die Komplexität der Richterschen Bildwelt, in der sich das Banale und das Böse begegnen: die Träume und Sehn süchte der Zeit, schnelle Autos oder Urlaubsreisen, die persönlichen Erinnerungen, die beklemmende Vergangenheit, die aktuelle Politik sowie auch die trivialen, gleichwohl vielsagenden Gebrauchs gegenstände des Alltags, darunter ein Wäschetrockner oder ein falscher Kronleuchter.

Zum Verständnis der Erinnerungsqualität der Bilder aus den sechziger und siebziger Jahren ist der Zyklus 18. Oktober 1977 (1988) zum Tod der RAF-Mitglieder in Stammheim von zentraler Bedeutung. Als Leih gabe des New Yorker MoMA kommt dieses spektakuläre Hauptwerk Richters noch einmal nach Deutschland und bildet den Höhepunkt der Ausstellung.

Die von Gastkurator Prof. Dr. Uwe M. Schneede, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle, vorbereitete Schau umfasst ca. 50 Leihgaben aus deutschen und internationalen Sammlungen. Am 8. September 2010 veranstaltet das Bucerius Kunst Forum ein öffentliches wissenschaftliches Sympo­sium zur Vorbereitung des Kataloges zur Ausstellung.

Bucerius Kunst Forum
Rathausmarkt 2
20095 Hamburg

www.buceriuskunstforum.de

Ich empfehle Euch die Audioführung zur Ausstellung. Hier werden 38 Werke vorgestellt und laden ein zu einem Rundgang durch die Ausstellung. Die Einführung hat die Nummer 99.
Gratis Download Audioführung Gerhard Richter (51MB; zip)

11.02.11 – 22.05.11 UNSCHARF. Nach Gerhard Richter Kunsthalle Hamburg

Das Prinzip der Unschärfe ist seit den sechziger Jahren ein durchgängiges Merkmal in den Bildern von Gerhard Richter. So wie Georg Baselitz dafür berühmt geworden ist, dass er seine Bildmotive auf den Kopf stellt, gilt als ein typisches Merkmal der Gemälde von Richter ihre auf den ersten Blick verschwommen- oder verwischt unscharfe Erscheinung. Dies betrifft Richters figürliche, in der Regel auf fotografischen Vorlagen beruhende Darstellungen von Figuren, Landschaften und Stillleben in gleicher Weise wie seine abstrakten Gemälde.

Hiermit verabsolutiert er ein Prinzip, das seit dem 15. Jahrhundert Eingang in die Malerei gefunden hat, wie zum Beispiel in der sfumato-Technik Leonardo da Vincis. Niemals jedoch ist die Unschärfe bisher so dominant und allumfassend aufgetreten, wie in den Gemälden von Richter. Als wesentliche Neuerung kommt hinzu, dass auch seine abstrakten Bilder in einigen Bildpartien oder zur Gänze unscharf wirken.

Seit Gerhard Richter ist die Unschärfe sowohl in gegenständlich-figurativen Gemälden als auch in abstrakten Bildern bei vielen jüngeren Künstlern zu einem konstituierenden Merkmal ihrer Malerei und Fotografie geworden. Die Ausstellung widmet sich zum ersten Mal diesem Stilprinzip in der Gegenwartskunst in einer umfassenderen Weise, indem sie Gemälde und Fotoarbeiten von zwanzig Künstlern, die nach 1960 geboren worden sind zusammen mit etwa zwanzig Gemälden und einem Film von Gerhard Richter zeigt. Insgesamt werden ca. achtzig Gemälde und Künstlerfotografien, sowie einige Installationen zu sehen sein. Als Teil der Bildrhetorik setzen die Künstler das Mittel der Unschärfe bewusst und in verschiedenen Kombinationen ein. Darin folgen sie Richter, der in seinen Gemälden bereits den unterschiedlichsten Aspekten der Unschärfe Gestalt gegeben hat. So gibt es zum Beispiel den Effekt des Weichzeichnens und Verschleierns, der romantisch-nostalgische Seherlebnisse erzeugt und den Bildern die Aura des Geheimnisvollen verleiht. Die Bewegungsunschärfe, die für den Fortschritt der Dynamik des modernen Lebens steht, speist sich aus ganz anderen, eher entgegen gesetzten Seherfahrungen.

Ein dritter Aspekt ist der der Bildstörung, die das Dargestellte so weit unkenntlich macht, dass sich das Sehbild bis zur vollkommenen Unidentifizierbarkeit auflösen kann. Diese Art der malerischen Darstellung, die zumeist von fotografischen Vorlagen ausgeht, stellt den als selbstverständlich geltenden Abbildcharakter der Fotografie in Frage. Gleichzeitig erweckt sie Zweifel, ob es sich bei dem betreffenden Gemälde um eine malerisch unscharfe Wiedergabe einer scharfen Fotografie oder um eine präzise gemalte Reproduktion einer unscharfen Fotos handelt. Zudem stellt die tendenzielle Auflösung des Sehbildes durch seine extreme Vergrößerung, Verpixelung oder Verwischung die Frage nach der wahren Wiedergabe der Wahrnehmungswirklichkeit und der Funktion des gemalten Bildes für unsere Wahrnehmung. Die Grade der Unschärfe in Malerei und Fotografie bilden den Grat zwischen Realismus (Klarheit und Eindeutigkeit) und Abstraktion in der Abbildung der Wirklichkeit. Sie machen damit auf die Doppelfunktion des Abbildens in der Spannung von naturgetreuer Wiedergabe und Autonomie der künstlerischen Mittel aufmerksam. In dieser Fähigkeit zur Vereinigung der Gegensätze ist die Unschärfe gleichsam ein Symptom der Postmoderne, wie Wolfgang Ullrich in seiner „Geschichte der Unschärfe“ (2002) schreibt. Als Teil der Bildrhetorik setzen die Künstler die verschiedenen Arten der Unschärfe in unterschiedlichen Kombinationen ein. Aber nicht nur in der Malerei und Künstlerfotografie gibt es einen regelrechten Boom unscharfer Darstellungen. Auch in der populären Bildkultur, wie zum Beispiel in der Werbung ist die Unschärfe zu einem populären Stilmerkmal geworden. Einmal mehr zeigt sich, wie sich Hochkunst und angewandte Kunst in unserer Kultur gegenseitig beeinflussen und durchdringen können.

Künstler: Pablo Alonso, , Anna und Bernhard Blume, , Wolfgang Ellenrieder, , , Adam Jankowski, Tamara K.E., Wolfgang Kessler, , Peter Loewy, Ralf Peters, Gerhard Richter, Ugo Rondinone, Thomas Steffl, , , , ,

Hamburger Kunsthalle
Glockengiesserwall
20095 Hamburg
www.hamburger-kunsthalle.de

Quelle: Pressetext

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