Reflecting Fashion – Kunst und Mode seit der Moderne

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Die Ausstellung wurde parallel zum "Summer of Fashion" im MuseumsQuartier in Wien eröffnet. Leider kein Foto für den Ausstellungstipp vorhanden

Reflecting Fashion
Kunst und Mode seit der Moderne

Die Ausstellung wurde parallel zum „Summer of Fashion“ im MuseumsQuartier in Wien eröffnet.

Thema der Ausstellung ist Kleidung und Mode als essentieller Bestandteil von Kunst, der besonders seit Mitte der 1960er-Jahre für bedeutende KünstlerInnen wie Ellsworth Kelly, , Niki de Saint Phalle oder Daniel Buren eine Rolle spielt. Immer schon hat die Mode einen entscheidenden Anteil an der Semantik der Moderne, deren Paradigmen sich seit Baudelaires „modernité“ an Konzepten der „mode“ orientieren. Im frühen 20. Jahrhundert wird die Mode bei den Futuristen oder bei Sonia Delaunay, aber auch im Surrealismus zur Sprache der Avantgarden.

Namhafte Theoretiker wie Walter Benjamin streichen die Kompetenz der Mode heraus und bringen sie in Zusammenhang mit Fragen der Kunst: „Die Mode hat die Witterung für das Aktuelle, wo immer es sich im Dickicht des Einst bewegt. Sie ist der Tigersprung ins Vergangene.“ Benjamin spricht der Mode nicht nur revolutionäres Potenzial, sondern auch eine gewisse Vorrangigkeit gegenüber der Kunst zu. Die Kunst wiederum nimmt die Mode „at its most perfect“ in sich auf und setzt auf ihre komplexe Beschaffenheit, die bekanntermaßen voller Paradoxien steckt. Deren eine ist, „Vollkommenheit“ und nur dadurch zu erreichen, dass sie unvollkommen bleibt, deren andere behauptet Stabilität in der Veränderung und Individualität durch Nachahmen.

Die wechselseitige Annäherung von Kunst und Mode erfuhr bereits vor über 100 Jahren einen Höhepunkt. Heute sind beide Disziplinen zu einem angesagten Crossover verschmolzen und Ausdruck eines neuen kreativen Lebensstils. Die große Sommerausstellung im mumok begibt sich auf historische Spurensuche und stellt die vielfältigen Verflechtungen von Kunst und Mode von der Moderne bis zur Gegenwart beispielhaft vor. „Reflecting Fashion“ vereint über 300 Gemälde, Zeichnungen, Skizzen, Textilien, Videos und Fotografien von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten wie Giacomo Balla, Sonia Delaunay, , Andy Warhol, Yayoi Kusama, Cindy Sherman, Stephen Willats und vielen anderen. Die Leihgaben stammen aus über 70 international renommierten Institutionen und Privatsammlungen.

Es lebe die Mode – nieder mit der Kunst

Schon seit Baudelaire (1821–1867) gilt die Mode als Inbegriff des Modernen. Er verwendet die Begriffe „Mode“ und „Moderne“ nahezu synonym und bezeichnet sie als das Vergängliche, Flüchtige und Mögliche. Die Modernisierung der Gesellschaft
spiegelt sich im fortschrittlichen Modebewusstsein von KünstlerInnen, die damit zugleich neue progressive Rollenbilder propagieren.

Sonia Delaunay (1885–1979), russisch-französische Malerin und Designerin, verfolgt konsequent den Weg von der Kunst in die Mode, um das Image der modernen Frau zu verbessern. In der Ausstellung sind Entwürfe für ihre berühmten
abstrakten Stoffe zu sehen. Mit den Futuristen – allen voran Giacomo Balla – und Sonia und Robert Delaunay oder Sophie Taeuber-Arp wird es sichtlich bunt in der Moderne. Balla etwa unterzieht den männlichen Anzug mit seinen schrilldynamischen Neuinterpretationen einer grundlegenden Revision und produziert 1914 als Erster einen Overall.

Darüber hinaus veranschaulicht Reflecting Fashion die wesentliche Rolle des Surrealismus im Wechselspiel von Kunst und Mode. Max Ernst propagiert mit seiner Devise „Fiat modes – pereat ars“ („Es lebe die Mode – nieder mit der Kunst“) eine
Vormachtstellung der Mode gegenüber der Kunst. Auch die legendären Modeschöpferinnen Elsa Schiaparelli (1890–1973) und Coco Chanel (1883–1971) sind eng mit der Kunst verbunden. Ein wesentliches Ausstellungsstück ist Schiaparellis berühmtes „Hummerkleid“ (Woman’s Dinner Dress, 1937), das sie zusammen mit Salvador Dalí entwarf und das auf dessen – in der Pariser Surrealistenausstellung (1938) gezeigtes – „Hummertelefon“ (Téléphone-homard, 1936) Bezug nimmt.

Alles wird Kunst sein, und nichts wird Kunst sein …

In den Aufbruchsbewegungen der 1960er-Jahre – Pop-Art, oder Neodada – wird die Mode populär. Performative und medienübergreifende Ansätze bestimmen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Besonders die Pop-Art-Ikone Andy Warhol versteht es virtuos, Kunst, Mode, Glamour und Business zum Gesamtkunstwerk zu verbinden. Reflecting Fashion präsentiert Warhol als Modell und Trendsetter.

Ebenfalls in der Ausstellung vertreten sind beispielsweise teigwarenbesticktes Golddress (1966) oder Christos überdimensioniertes Wedding Dress (1967), das im Rahmen einer Modeschau anlässlich einer Ausstellungseröffnung in Philadelphia erstmals von einem Model durch den Raum gezogen wird und einen ebenso kritischen wie ironischen Beitrag zur Mode liefert.

Kunst und Mode in der Gegenwart

Wie die Präsentation im mumok dokumentiert, haben KünstlerInnen seit Beginn der Moderne mit DesignerInnen kooperiert. Ab den 1980er-Jahren entstehen immer engere Vernetzungen zwischen den Genres. Kunst- und Modewelt erobern einen festen Platz im Alltag und entwickeln sich immer mehr zu einem Big Business. Internationale Kollaborationen von KünstlerInnen, DesignerInnen oder anderen Kreativschaffenden machen Schlagzeilen. Die amerikanische Fotokünstlerin Cindy Sherman arbeitet mit unterschiedlichen Labels zusammen und ist in der Ausstellung mit mehreren Arbeiten vertreten.

Viele zeitgenössische KünstlerInnen, darunter Pawel Althamer, Milica Tomic oder Maja Bajevic, begreifen Mode als eine „Kunst des Gedächtnisses“ – Kleidung ist für sie vor allem als Material oder Werkzeug interessant.
Die Ausstellung wurde von Susanne Neuburger in Zusammenarbeit mit Barbara
Rüdiger konzipiert und wird parallel zum Summer of Fashion im MuseumsQuartier
Wien eröffnet.

Eröffnung „MQ Summer of Fashion“ – Tag 1

Künstler: Vito Acconci, Fred Adlmüller, Pawel Althamer, Apparatus 22 (Erika Olea, Maria Farcas, Dragos Olea, Ioana Nemes), Hans Arp, Maja Bajevic, Giacomo Balla, Herbert Bayer, Hans Bellmer, Joseph Beuys, BLESS , Alighiero e Boetti, Cosima von Bonin, André Breton, Kaucyila Brooke, Daniel Buren, Hussein Chalayan, , Die Damen (Ingeborg Strobl, Ona B. , Evelyne Egerer, Birgit Jürgenssen), Sonia Delaunay, Marcel Duchamp, Ines Doujak, Madame d´Ora, Max Ernst, VALIE EXPORT, Alexandra Exter, Factory of Found Clothes (Natalya Pershina- Yakimanskaya, Olga Egorova), Marina Faust, Trude Fleischmann, Sylvie Fleury, Lucio Fontana, Marcus Geiger, Isa Genzken, Rudi Gernreich/ George Grosz, Maria Hahnenkamp, Raoul Hausmann, Tibor Hajas, Roza El-Hassan, Kurt Husnik / Sanja Ivekovic, Birgit Jürgenssen, Allen Jones, Tadeusz Kantor, Ellsworth Kelly / Martin Kippenberger, Gustav Klimt & Emilie Flöge, Jakob Lena Knebl, Milan Knizak, Daniel Knorr, Christof Kohlhofer, Silvia Kolbowski, Germaine Krull, Elke Krystufek, Friedl Kubelka, Yayoi Kusama, Maria Likarz-Strauss, El Lissitzky, George Maciunas, René Magritte, Christopher Makos, Man Ray, Lucia Moholy, Regina Möller, Koloman Moser, Helmut Newton, Olaf Nicolai, Marzena Nowak, Meret Oppenheim, Ferhat Özgür, Mai-Thu Perret, Lil Picard, Ljubow Popowa, Stephen Prina, Florian Pumhösl, Felice Rix, Alexander Rodtschenko, James Rosenquist, Martha Rosler, Ed Ruscha, Wally Salner, August Sander, Hans Scheirl, Klaus Scherübel, Markus Schinwald, Elsa Schiaparelli & Salvador Dalí, Johannes Schweiger, Kurt Seligmann, Elfie Semotan, Cindy Sherman, Niki de Saint Phalle, Oskar Schlemmer, Nedko Solakov, Edward Steichen, Alfred Stieglitz, Warwara Stepanowa, Ingeborg Strobl, Struppi (Gerhard Stecharnig), Sophie Taeuber-Arp, Atsuko Tanaka, Wladimir Tatlin, Wolfgang Tillmans, Milica Tomic, Rosemarie Trockel, Nadim Vardag, Andrea van der Straeten, Franz Erhard Walther, Andy Warhol, Karlheinz Weinberger, Vally Wieselthier, Stephen Willats, Wols , Erwin Wurm, Andrea Zittel, Heimo Zobernig.

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